Altsysteme mit KI modernisieren statt wegwerfen
In vielen Betrieben läuft im Hintergrund ein System, das seit Jahren zuverlässig seinen Dienst tut. Eine Maschinensteuerung, ein Warenwirtschaftssystem, ein selbstgebautes Tool. Es funktioniert, aber niemand traut sich mehr daran. Die Dokumentation fehlt, der ursprüngliche Entwickler ist längst weg, und der Code ist in einer Sprache geschrieben, die kaum noch jemand beherrscht.
Die übliche Reaktion: alles neu kaufen. Das ist oft die teuerste und riskanteste Variante. Mit KI gibt es heute einen besseren Weg.
Wegwerfen ist meist die teuerste Option
Ein laufendes Altsystem steckt voller Wissen. Jahre an Sonderfällen, Ausnahmen und kleinen Anpassungen, die genau auf Ihren Betrieb passen. Bei einem Neukauf geht dieses Wissen verloren, und Sie zahlen doppelt: einmal für die neue Software und einmal dafür, all diese Details mühsam neu zu erarbeiten. Dazu kommt das Risiko eines harten Umstiegs, bei dem im schlimmsten Fall der Betrieb stillsteht.
Solange der Quellcode noch vorhanden ist, ist die ehrlichere Frage deshalb nicht „Wie ersetze ich das?”, sondern „Wie führe ich es kontrolliert weiter?”.
Was sich geändert hat: KI liest alten Code
Bis vor Kurzem war das Erschliessen von altem, undokumentiertem Code echte Knochenarbeit. Man musste sich Zeile für Zeile durch fremde Logik kämpfen. Genau hier hat sich etwas Grundlegendes verändert.
Moderne KI-Modelle können grosse, alte Codebasen lesen, die Logik erklären und Zusammenhänge sichtbar machen, auch bei Sprachen, die heute selten sind. Das ersetzt nicht den erfahrenen Entwickler, aber es beschleunigt den langsamsten Teil enorm: das Verstehen. Was früher Wochen gedauert hat, ist heute oft in Tagen erledigt.
So läuft eine Modernisierung ab
Ein typischer Ablauf, ohne Big Bang:
- Bestandsaufnahme: Den vorhandenen Code und die Daten sichten und KI-gestützt erschliessen. Am Ende steht ein klares Bild, was das System wirklich tut.
- Dokumentieren: Die wichtigste Logik wird verständlich festgehalten. Damit ist das System nicht mehr von einer einzelnen Person abhängig.
- Absichern: Bevor etwas geändert wird, kommen Tests dazu, die das aktuelle Verhalten festhalten. So merkt man sofort, wenn eine Änderung etwas kaputtmacht.
- Schritt für Schritt verbessern: Funktionen erweitern, Fehler beheben, Schnittstellen ergänzen, etwa eine Anbindung an Ihr ERP. Das System bleibt dabei durchgehend lauffähig.
- Neu aufbauen, wo es sich lohnt: Einzelne Teile, die nicht mehr tragbar sind, werden gezielt ersetzt, nicht das Ganze auf einmal.
Diese alten Sprachen sind gut zugänglich
Besonders gut lassen sich heute Systeme in diesen Sprachen wieder erschliessen:
- COBOL und FORTRAN
- Pascal und Delphi
- Visual Basic 6 und VBA
- ABAP (SAP)
- RPG (AS/400, IBM i)
- Altes C und C++
- SPS-Altsprachen wie AWL und Step 5 oder Step 7
Wenn Ihr System in einer dieser Sprachen läuft, stehen die Chancen gut, dass es sich weiterführen lässt.
Wann ein Neuaufbau doch sinnvoll ist
Manchmal ist Modernisieren nicht der richtige Weg: wenn der Quellcode komplett fehlt, wenn die zugrunde liegende Hardware nicht mehr beschaffbar ist, oder wenn die Anforderungen sich so stark geändert haben, dass vom Alten ohnehin nichts mehr passt. In solchen Fällen ist ein sauberer Neuaufbau ehrlicher. Genau das gehört zu einer guten Bestandsaufnahme dazu: zu sagen, wann sich Weiterführen lohnt und wann nicht.
Erst verstehen, dann entscheiden
Sie müssen sich nicht zwischen „weiter so bis zum Ausfall” und „alles neu kaufen” entscheiden. Der erste Schritt ist immer, das bestehende System zu verstehen. Auf dieser Grundlage lässt sich ruhig entscheiden, was bleibt, was verbessert und was ersetzt wird. Meistens ist deutlich mehr zu retten, als man zu Beginn denkt.